Die Herstellung von tierischen Leimen
Leim wird durch die Umwandlung von tierischen Kollagenen produziert, die in Haut, Knochen und Knorpeln vorhanden sind. Dabei unterscheidet man im Kunsthandwerk unter anderem in Knochen-, Haut-, Leder-, Hasen-, Pergament- oder Störleim. Diese unterschiedlichen Sorten grenzen sich in Farbe, Trockenzeit und Klebefähigkeit voneinander ab.
Unter Hitzeeinwirkung verwandeln sich die wasserunlöslichen Kollagene in wasserlösliche Proteine, durch welche die Klebe- und Bindekraft des Leimes bewirkt wird. Leime, die aus tierischen Anteilen gewonnen werden, bezeichnet man deshalb als Glutinleime.
Vor ihrer eigentlichen Verwendung müssen diese Leime zuerst in kaltem Wasser aufquellen, um später durch Erwärmung gebrauchsfähig zu werden.
Leime werden unter anderem als Bindemittel für Farben und Grundierungen und Dekoration jeglicher Art eingesetzt. Schon im Mittelalter bereiteten sich viele Handwerker und Maler ihre benötigten Leime selbst nach alten überlieferten Rezepturen aus Häuten und Fellen zu. Um 1700 entstanden erste Leimsiedereien, die sich meist in der Nähe von Leder und Papier herstellenden Betrieben ansiedelten.
Seit mehr als 500 Jahren gibt es in Europa Betriebe, die sich ausschließlich mit der Herstellung von Leim beschäftigen.
Hautleim wird im Wesentlichen wie vor hunderten von Jahren hergestellt. Dabei werden tierische Häute von Schlachthöfen und Gerbereien mit dünnem Kalkwasser in Betongruben (Äschern) mehrere Monate lang eingelagert, um anschließend mit Schwefelsäurezusätzen gewaschen zu werden, bis der gewünschte pH-Wert von ca. 7,0 erreicht ist. Durch heißen Wasserdampf werden die leimgebenden Kollagene über viele Stunden im Sud herausgelöst. Die auf diese Weise entstandene dünne Leimbrühe wird entfettet, geklärt, gereinigt, im Vakuum verdampft und schließlich eingedickt. Nach der Abkühlung wird diese Masse auf Stahlbändern zerstückelt und getrocknet. Dabei entstehen spezielle Formen wie Granulat, Perlen, Graupen oder größere Stücke.
Leime werden gegenwärtig in großer Auswahl als Fertigleime angeboten. Im Versandhandel werden aber auch weiterhin die traditionellen Grundstoffe zur Eigenherstellung angeboten.
eingetragen am 19.07.2007 von Bernhard Heß